Wie viele lustige Geschichten beginnt auch meine im rauch- und hormongeschwängerten Bierdunst einer Kneipe, in einer bunt gemischten Runde angetrunkener Mädchen und Jungs.
Nachdem ich mich immer ungezwungener mit der neben mir sitzenden Schönheit unterhalten habe, erörtere ich ihr die Vor- und Nachteile des Linkshänderseins. Ich erzähle ihr von den Problemen mit Kuchengabeln, die auf der falschen Seite die dünne Kante zum Schneiden haben, von blauen Handkanten nach Klausuren und Klopapierrollen auf der falschen Seite der Toilette. Und weil der Alkohol meine Hemmungen weggespült hat, erzähle ich ihr auch von einem meiner Ansicht nach unschlagbaren Vorteil: Komfortables Wichsen vor dem Computer, weil man mit rechts die Maus und mit links den Lümmel bedienen kann.
Während sie unsicher lächelt, vergraben meine Freunde ihre Gesichter unterdrückt kichernd in ihren Händen – ich habe eine goldene Regel gebrochen, eine Arschbombe in das größte Fettnäpfchen zwischengeschlechtlicher Kommunikation gelandet: Das Thema unter der Gürtellinie ist tabu.
Dass man diesen Gesprächsstoff bei Frauen lieber meidet, erfährt man immer und überall. Man wird mit der Pornofeindlichkeit der Frauen nicht zuletzt bei MTV konfrontiert, wenn ein Mädchen in der Sendung “Room Raiders” einen Playboy im Kleiderschrank eines fremden Jungen ihres Alters findet, angewidert das Gesicht verzieht und “Eeeew, Porn, that’s disgusting!” stöhnt.
Diese Reaktionen vieler Mädchen sind schuld daran, dass harmlose Freunde weiblicher Kurven die einschlägigen Bildchen und Filmchen auf ihrem PC in Ordnern mit für Frauen uninteressanten Decknamen wie “System”, “Treiber” (nicht zu verwechseln mit “Triebe” ), “Fussball” oder “South Park & Futurama – alle Staffeln!” und die gedruckten Magazine hinter ihren Comics verstecken.
Gegen diese Einstellung formiert sich jetzt Widerstand, angeführt von Rittern der Natürlichkeit, wie ich einer bin. Wir konfrontieren die Damen mit der unverrückbaren Tatsache, dass wir schöne Frauen eben mögen, dass Masturbation normal ist und sie diejenigen sind, die “pervers” sind, wenn sie den natürlichsten Trieb leugnen, der uns alle zu Menschen macht.
Ich war es, der auf die blöde Frage eines Mädchens im Rahmen eines langweiligen Smalltalks um 2 Uhr nachts auf dem Heimweg, was ich und mein Kumpel später noch machen würden, mit ernstem Gesicht sagte: “Wir gehen jetzt beide zu mir und poppen uns in den Po.”
Ich war der, der es auf den Punkt brachte, als ein paar Mädchen sich einen Cocktaileimer mit etwas bestellen wollten, “was wir gerne trinken”, indem ich breit grinste und andeutete, ich wüsste da schon “was”…
Ich war es, der den Mädels auf der Sturmfreifeier meines besten Freundes seine Pornokollektion vorführte, als sie äußerten, dass Jungs mit Pornos abnormal und notgeil sind.
…der auf den Hinweis eines Mädchens, sie müsse sich noch ein paar Freundinnen mitnehmen, wenn sie alleine mit mir und vier Freunden wegginge, verwundert entgegnete: “Warum? Du hast doch noch zwei Hände!”
Diesen Brachialhumor braucht es und das ist die ganze Wahrheit!
Fakt ist, dass laut Statistik 92% der Männer masturbieren und 60-70% der Frauen. Der Unterschied liegt wohl im Wesentlichen darin, dass Männer dazu stehen und es akzeptieren – wohl auch, weil sie eh nichts mehr zu verlieren haben, denn sie sind ja ohnehin als “Schwanzdenker” verschrieen. Bei Frauen dringt diese Erkenntnis und Offenheit mit dem Thema meistens erst durch, wenn sie älter und reifer sind, deshalb drehen beim Kölner Karneval gerade die älteren Frauen auf und füttern das Gerücht, dort würden Männer abgefüllt und nicht anders herum (liegt wohl auch daran, dass es Köln ist…).
Außerdem ist Masturbation gesund – jawoll! 1712 warnte ein anonymer Autor in seiner Schrift “Onania”, exzessive Masturbation sei ursächlich für vielfältige Krankheiten wie Pocken und Tuberkulose. Auch Gerüchte, dass Krebs, Wahnsinn oder Lepra die Folgen sein könnten, hielten sich hartnäckig. Dazu kam eine Vielzahl pseudowissenschaftlicher Studien, die Onanie als asozial, egoistisch und zu Disziplinlosigkeit führend verurteilten.
Heute gilt Selbstbefriedigung dank Siegmund Freud als wichtiges Mittel für Jugendliche, den eigenen Körper zu entdecken.
Dazu kommt, dass regelmäßige Ejakulation Hoden- und Prostatakrebs vorbeugen kann. Nehmt das zur Kenntnis, liebe Frauen, wir tun nur etwas für unsere Gesundheit! Damit ihr mehr von uns habt! Ist das nicht selbstlos?!
Oft bekommt man seine Pornos auch von der eifersüchtigen Freundin verboten, die einem vorwirft, man finde sie dann erotisch weniger anziehend oder sie möchte nicht, dass man beim Anblick einer anderen Frau Lust verspürt oder am Ende noch davon träumt, einmal eine Menage a trois mit Gina Wild und Jenna Jameson zu erleben. Das tun wir natürlich, aber dass uns das passiert ist doch eher unwahrscheinlich. Und wenn man mal wieder liest, dass Männer einen stark ausgeprägten natürlichen Hang zu Promiskuität (häufig wechselnde Geschlechtspartner) haben, dürfte es den Damen doch besser gefallen, dass man ihn auf diese Art befriedigt, statt die beste Freundin der Liebsten in einer schwachen Stunde dafür herzunehmen – obwohl hierin sogar die Chance eines unsterblichen Liebesbeweises liegt…
Entgegen der bei Frauen weit verbreiteten Ansicht, Pornos seien pervers, haben sie sogar eine eigene Ästhetik, eine eigene Lyrik!
Wieviel ärmer wären wir ohne die sensationellen Wortwitze, Reime und Verdrehungen wie “Schwanzalarm im Transendarm”, “Analdin und die wunde Schlampe”, “GrafPorno bläst zum Zapfenstreich“, “Im Gleichfick Arsch“, “Bananenfick in Mosambik“, “Die Prinzessin auf der Eichel” oder “Fuck off – Im Körper des Feindes“. Wer muss nicht mindestens schmunzeln, wenn aus “Reinecke Fuchs” “Reinstecke Fuchs” und aus Schweinchen Dick – na was wohl?.. – wird?
Wer kennt nicht die geniale Pornoprosa, diese Superdialoge?
Da führt Dru Berrymore einen intelligenten Universitätsprofessor durch eine schmucke Villa, und natürlich kann der seine Bewunderung für das Haus nur schwer verbergen (und ausdrücken): “Hmm, das Haus sieht ja ansprechbar aus.”
Genial! Doch die Anbahnung des Geschlechtsverkehr wird storytechnisch oft auch selbstironisch verarbeitet. Wer kennt nicht die mittlerweile schon legendäre “Stroh-Szene” ?
Laut einer Studie wünschen sich Frauen einfach auch mehr Handlung in Pornofilmen oder würden Hardcoreszenen in Romanzen begrüssen. Und wisst ihr was, liebe Damen? Das tun wir Männer auch! Wenn sich Tom Hanks und Meg Ryan am Ende von “Schlaflos in Seattle” die Klamotten vom Leib reißen und die Stellungen des Kamasutra durchdeklinieren würden, wären wir sicher auch gerne mit am Apparat und würden uns nicht ständig darum drücken, diesen fürchterlichen Schmachtfetzen mit ansehen zu müssen.
So gesehen können wir doch unsere verhärteten Frontlinien verlassen und etwas näher “zusammenrücken”, gemäß dem Motto: Make Love, not War!
22.02.2006
Schlagworte: Masturbation, Porno, Satire